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  • 28. März 2017

Schülerin aus Troisdorf nahm am Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP) des Bundestages teil



Sandra Steinbach (18) von der Europaschule in Troisdorf nahm im Schuljahr 2015/2016 erfolgreich - mit einem Stipendium des Parlamentarischen Patenschafts-Programm des Deutschen Bundestages – an einem Schuljahr in Gainesville/Georgia in den USA teil. Nachfolgend berichtet die Schülerin von ihren Erfahrungen:

Alles begann im August 2014, als ich mich für das begehrte PPP Stipendium bewarb und im Januar 2015 feststand, dass ich es wirklich bekommen hatte.

Als ich in meiner Gastfamilie in Gainesville, Georgia ankam war erstmal ALLES anders als zu Hause. Gainesville ist nicht klein, aber eben auch nicht groß und es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel außer natürlich den obligatorischen gelben Schulbus! Die Familienkonstellation änderte sich vom Zwillingsbruder und großer Familie zu Gastmutter, Gastvater, Gastgroßeltern und einer 2 Jahre jüngeren Gastschwester. Meine erste Bezugsperson wurde mein Gastvater, da er in der Familie den Haushalt organisierte und an den ich mich immer wenden konnte. Nach einiger Zeit waren mir jedoch meine Gastmutter und besonders meine Gastschwester auch sehr vertraut.

Ich hätte nie erwartet, dass eine außenstehende Person dem Gefühl leibliche Geschwister zu haben so nahekommen würde. Sie wurde von fremd, zur besten Freundin, zur Schwester. Morgens machten wir uns zusammen fertig, rannten zum Bus, hatten zusammen Theater-Unterricht in der Schule und gingen anschließend saisonbedingt entweder zusammen zum Schwimmen oder zum Fußballtraining. Ich konnte das erste Mal die Rolle als große Schwester übernehmen und Verantwortung in ganz neuer Form erfahren. Aber, ich hätte nie gedacht, dass auch eine kleinere Schwester mich so sehr beeinflussen konnte. Auch meine Gastmutter hatte einen ziemlichen großen Einfluss auf mich. Von ihr lernte ich waschen, Probleme selber zu lösen, putzen und wie man am besten den Vorgarten pflegt. Mein Gastvater zeigte mir, wie man richtig amerikanisch kocht, wie man mit ständiger liebevoller Neckerei umzugehen hat und auch mich selber zu schätzen. Außerdem brachte er mir das amerikanische Lebensmotto sich einfach mal zurückzulehnen näher und ich verstand, wie schwierig es eigentlich wirklich ist, wenn man neu irgendwo ist und vieles selbst regeln und organisieren muss und trotzdem “Don’t worry, be happy” zu sein.

Aber auch Freunde spielten eine wichtige Rolle in meiner ‘amerikanischen’ Entwicklung. Während in Amerika viele Freundschaften eher oberflächlich sind, wuchsen mir einige trotzdem sehr ans Herz und Annabelle wurde zu meiner besten amerikanischen Freundin, die ich sehr vermisse. So ganz anders als in Deutschland konnte sie schon Auto fahren, was vieles sehr viel einfacher machte. Sie nahm mich mit zu ihrem Job beim Tierarzt, wo ich meinen Community Service (Sozialdienst während meines Jahres) leistete, fuhr mich zur Mall (einkaufen), nach Hause, half mir mit allen möglichen Problemen und brachte mir bei, was es heißt, einfach mal zu leben. Außerdem schaffte sie es, dass ich beim Theater tatsächlich, obwohl ich am Anfang nur hinter den Kulissen mithalf und auch dachte, dass es so bleiben würde, später mit Begeisterung selbst auf der Bühne stand. Einfach mal lockerlassen. Ja, das hatte ich definitiv gelernt.

Natürlich habe ich aber auch viel über die amerikanische Kultur gelernt! Mit meiner Gastfamilie feierte ich Halloween, Thanksgiving, und Weihnachten und durch meine gute Freundin Augusta bekam ich auch einen Einblick in die Wichtigkeit der Kirche für sehr viele amerikanische Familien.

Meine Erfahrungen im Ausland haben mich allgemein sehr geprägt. Während ich im August 2015 noch etwas unsicher war, wie das wohl so werden würde ohne meine Familie und vertraute Umgebung, war ich 10 Monate später sicher: Es war und ist einzigartig. Alleine und das erste Mal überhaupt auf eigenen Beinen, vollkommen abgelöst von den eigenen Eltern zu stehen und sich einer neuen Kultur und Familie weit weg von zu Hause anzupassen, ist ein zuerst natürlich einschüchterndes aber außergewöhnliches Gefühl, das es vollkommen wert war zu erfahren.

Es war alles so anders und ich möchte keinen einzelnen Moment aus meinem Auslandsjahr missen. Ich habe eine zweite Familie und eine zweite Heimat gefunden und ganz besondere Beziehungen zu ganz besonderen Menschen aufgebaut. Und ich habe zu mir selbst gefunden. Wenn irgendetwas zum Völkerverständnis beitragen kann, dann ist es ein Austauschjahr in einer Familie im Ausland!

Sandra Steinbach